
„Der Kapitalismus ist tot! – Es lebe der Virtualismus!“
Walter Schönthaler führte ein satirisches Interview – mit seinem eigenen Pseudonym Victor Raskol
SCHÖNTHALER:
Herr Raskol, mit Ihrem neuen Buch „21 Cent – oder die Kunst des Pfidschigogerlns“* haben Sie der Spekulation eine ideologische Basis gegeben.
RASKOL:
Es ist höchste Zeit, dass auch das populärste Wirtschaftsmodell des 21. Jahrhunderts – das Business mit derivativen Finanzprodukten – einen tragfähigen ideologischen Unterbau bekommt! Zumal es sich mit Abstand um den größten Wirtschaftszweig handelt: Täglich werden Kredite, Swaps und Optionen um ungefähr 600 Milliarden gehandelt. Dagegen ist die sogenannte „Realwirtschaft“ mit einem Produktionsvolumen von circa 20 Milliarden vergleichsweise winzig. Der Markt der derivativen Finanzprodukte steigt ständig, denn es gibt jede Menge billiges Geld, das profitabel arbeiten muss.
